Windpark bei Gadegast – Hoffnung auf neuen Wind

Windpark bei Gadegast – Hoffnung auf neuen Wind

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11. Februar 2015

Der Wechsel im Chefsessel soll auch im übertragenen Sinn Pläne beflügeln. Die Chancen auf einen Windpark bei Gadegast stehen gut. Laut Investor sei die Fläche in der Regionalplanung ein Vorranggebiet für die Windenergie.

Gadegast. Anfang März, in wenigen Tagen also, will Investor vortex energy aus Kassel die Bauanträge für den von ihm geplanten Windpark bei Gadegast stellen. Das erklärte Geschäftsführer Philipp Jeske auf Anfrage der MZ.

Damit würde das Genehmigungsverfahren für das Vorhaben in Gang gesetzt. Und wenn alles gut läuft, rechne er mit dem Baubeginn Mitte nächsten Jahres.

Dazu müsste aber auch der Jessener Stadtrat zustimmen. Die Änderung der politischen Struktur in Jessen eröffnete Jeske nämlich die Chance, wie er der MZ erklärte, sich in der Stadt an der Elster um eine vergleichsweise kleine Änderung der Projektplanung zu bemühen. „Wir hatten erfahren, dass es einen neuen Bürgermeister gibt und wollten schauen, ob sich mit ihm reden lässt. Wir wissen ja, dass Jessen Neubauten von Windkraftanlagen auf seinem Stadtgebiet abwehrt. Und der Vorgänger von Herrn Jahn hatte uns gar nicht erst zu Wort kommen lassen“, beschreibt Jeske den neuerlichen Vorstoß. Es geht ihm nämlich gar nicht darum, Anlagen auf Jessener Stadtgebiet zu errichten. Vielmehr hofft er jetzt auf Zustimmung, einige der geplanten Windkraftanlagen bei Gadegast – bekanntlich Stadtgebiet von Zahna-Elster – um einige Meter verschieben zu können. „Dann wären die Turbulenzverhältnisse besser und die Anlagen könnten mehr Ertrag einbringen“, umreißt der Investor die Motivation für sein Vorsprechen. Lediglich Baulasten müsste Jessen den Investoren dann einräumen. Denn bestimmte Gesetzesforderungen über „Umfallradien“ und ähnliches würden städtische Wege betreffen. Um nichts anderes gehe es. Die betreffenden Ackergrundstücke wären alle in privater Hand. Wenn Jessen dem Eintrag der Baulasten zustimme, solle die Stadt auch am dann erhofften größeren Ertrag der Anlagen partizipieren, so die Offerte des Investors aus Kassel.

„Noch Prüfbedarf“

Während im Jessener Finanzausschuss die Tendenz der Meinungen durchaus auf Pro stand – auch angesichts der Haushaltslage – sahen die Mitglieder des Bauausschusses durchaus noch Prüfbedarf. „Hier gab es noch keine abschließende Zustimmung“, informierte Jessens Bauamtsleiter Silvio Becher am Mittwoch auf MZ-Nachfrage. „Wenn alles in Ordnung sei, dann könne man ja durchaus zustimmen“, zitierte er die tendenzielle Auffassung im Ausschuss. „Die Prüfergebnisse liegen vor und werden im nächsten Hauptausschuss vorgelegt“, fügte der Bauamtsleiter noch an. Der Hauptausschuss tagt am 16. Februar, 16.30 Uhr, im Schloss. Wie die Ergebnisse der neuerlichen Prüfung aussehen, mochte Becher im Vorfeld des Treffens noch nicht sagen. Auch wenn der Jessener Stadtrat nicht zustimme, so hätten die Einwohner von Naundorf bei Seyda und Mellnitz die Anlagen doch vor Augen. So begründete Bürgermeister Michael Jahn (SPD) im Finanzausschuss, nicht von vornherein gegen den Wunsch des Investors einzutreten.

Und wenn der Windpark schon nicht verhindert werden kann, warum sollte die Stadt dann nicht die mit dem Eintragen der Baulasten verbundenen finanziellen Einkünfte annehmen, argumentierte Jahn. Ein gedanklicher Faden, den die „Geldverwalter“ der Stadt durchaus mitspinnen mochten. Doch auch sie setzten Bedingungen. „Wie groß ist die Entfernung zur vorhandenen Bebauung?“, wollte Brigitte Dressel (BBP-BI Jessen) wissen. „Es sind laut Investor rund 1 200 Meter. Die gesetzlichen Forderungen werden wohl alle eingehalten“, antwortete Jahn darauf. Im Bauausschuss zuvor hatte Philipp Jeske sein Anliegen persönlich vorgetragen. Wie er gegenüber der MZ angab, betrage die längste Verschiebung der betreffenden Anlagen rund 50 Meter. Damit käme freilich das entsprechende „Windrad“ etwas näher an Naundorf heran. Ungefähr auf 1 160 Meter, meinte Jeske.

Vorrang in Regionalplanung

Dass der Windpark gebaut wird, daran dürfte es wenig Zweifel geben. Laut Investor sei die Fläche in der Regionalplanung ein Vorranggebiet für die Windenergie. Im ersten Entwurf zunächst nur für Repowering ausgewiesen, wie Philipp Jeske erläutert, doch dann für den Neubau von Anlagen zugelassen. Da Repowering ja lediglich den Ersatz von vorhandenen Anlagen durch weniger, dafür aber größere Generatoren beschreibt. Bei Gadegast stehen aber noch gar keine.

Gegenüber dem ersten Entwurf des Windpark-Vorhabens, den die Firma vor fast genau zwei Jahren im Stadtrat Zahna-Elster vorstellte, gibt es inzwischen doch einige aktuelle Veränderungen bzw. Anpassungen. Statt acht Anlagen, wie seinerzeit vorgesehen, sollen nun neun Rotoren aufgestellt werden. Dafür hat jeder eine etwas geringere Leistung: statt drei Megawatt nun 2,75. „Wir reagieren natürlich ständig auf die Veränderungen in der Technik“, so Jeske. Die Gesamthöhe der Anlagen wird nach jetzigem Stand etwa 200 Meter betragen. Der um rund 15 Meter gewachsenen Höhe entsprechen die Flügellängen. Sie liegen jetzt bei 60 Metern. An der geplanten Gesamtleistung des Parkes werde sich nicht viel ändern, so der Geschäftsführer der Investorenfirma zur MZ. Mit der Jahresleistung von 64 Millionen Kilowattstunden könnten 12 800 Drei-Personen-Haushalte etwa ein Jahr lang mit Elektroenergie versorgt werden. Diese Zahlen nannte Till Jeske, ebenfalls Vortex-Geschäftsführer, bereits vor zwei Jahren im Stadtrat von Zahna-Elster.

Das damalige Ziel, 2015 mit dem Bau zu beginnen, wird, wie oben berichtet, nicht gehalten. „Die Einigung mit den Grundstücksinhabern war letztlich doch etwas schwieriger als gedacht“, so Jeske. (mz)